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"Nicht bewegen", flüstert der Berufsjäger
(PH). Wir stehen Aug in Aug mit einer
kleinen Gnuherde etwa 80 m vor uns.
Der Wind ist gut, und die Streifengnus,
sechs Kühe und Kälber, scheinen die
Situation nicht deuten zu können.
Am Morgen hatten wir schon einmal
versucht, eine kleine Herde anzugehen.
Aber es war uns nicht gelungen.
Im dichten Busch zogen die Gnus hin
und her, bis eine Oryx uns bemerkte
und alles Wild mitnahm. Hier sollte
ein guter Bulle bei der Herde stehen,
den der Jagdführer, Umpies Meyer,
von einem Bergrücken aus ausgemacht
haben wollte. Ich sah allerdings nur Kühe, die in unsere Richtung sicherten und langsam unruhig wurden. Die letzen noch im Sand liegenden Stücke erhoben sich – kein Bulle. Die Waffe lag auf dem Dreibeinzielstock längst im Voranschlag. Der Berufsjäger und ich verharrten zur Salzsäule erstarrt. Hier kamen wir nicht mehr weg, ohne dass auch die Gnus erneut auf und davon wären.
Unruhe im Harem
Plötzlich zieht ein weiteres Stück von rechts, wo es wohl unter einem Baum gelegen hatte, zu der Gruppe der etwa zwölf Tiere – ein Bulle, deutlich erkenne ich den Pinsel. "Das soll der gute Bulle sein?", denke ich. Na ja, die Gnuerfahrung habe ich nicht, aber ich bin nun schon das 9. Mal in Namibia und habe reichlich auf andere Wildarten waidwerken können. Der ist es nicht!
Langsam merke ich, wie ungewohntes Jagdfieber in mir aufsteigt; dachte ich doch, das hätte ich lange verloren. Ich muss mich zur Beherrschung zwingen. Jetzt höre ich das Schnauben der Gnus, und mein Herz hämmert tiefe, dunkle Bässe. Wie lange werden sie unseren Anblick noch ertragen? Die Unruhe kommt auch aus der Herde selbst, ein Tier steckt das andere an. Ihren nahen Feind haben die Gnus immer noch nicht erkannt. Dann plötzlich kommtein weiterer Grund für die Unrast der Tiere in Anblick. Aus der gleichen Richtung wie zuvor der junge Bulle trabt ein starker Gnubulle heran. Er läuft ein paar Schritt zu den Kühen, dreht sich um die eigene Achse und sichert spitz von vorne. Der Berufsjäger flüstert: "Schieß ihm auf den Stich." Ich suche mit dem Zielstachel den Haltepunkt, da dreht sich der Bulle etwas mehr in die halbspitze Position. Nun versuche ich, das Blatt ins Visier zu nehmen. Der Bulle schaut zurück zu den Kühen und verhindert so mit seinem massigen Haupt und seinen geschwungenen Hörnern einen sicheren Schuss. "Nicht schießen", flüstert der Jagdführer. Doch dann dreht der Bulle erneut sein Haupt uns zu, in diesem Moment lasse ich fliegen. Wie von der Tarantel gestochen brechen 14 Stück Wild durch den Busch. Die Bildfläche ist leer.
"Waidmannsheil", sagt Umpies. "Den haben wir noch nicht" erwidere ich. "Das war ein guter Schuss", ist sich der erfahrene Berufsjäger sicher.
Später erzählt mir meine Partnerin, die in einiger Entfernung mit dem schwarzen Begleiter des PH auf dem Wagen wartete, dass auch dieser sofort anhand des Kugelschlages gesagte hätte: "Gute Patrone, der hat gut getroffen."
Am Anschuss fanden wir etwas Lungenschweiß, der Rest war unter den 4 x 14 Hufen der Tiere im Staub verwirbelt. Logisch, dass es auch kein klares Fährtenbild gab. Also zurück zum Wagen und die Hunde geholt. Die Terrier, eine Art Foxterrier, wurden am Anschuss angesetzt und suchten in einer Freiverlorensuche nach.
Nach gut 100 Metern fanden die Hunde das längst verendete Gnu unter einem Dornbusch. Die 8 x 68S saß etwas hinter dem Blatt und hatte das Gnu diagonal durchschlagen. Das 12,7-g-Blaser-CDP-Geschoss steckte vor der Keule unter der Decke. Im namibianischen Sand lag von einer sauberen Kugel gestreckt ein guter Gnubulle. Sicher war er nicht der älteste, das Horn jedoch gut geschwungen, der Helm bereits stark abgeschliffen und die Auslage ordentlich. Für mich war ein jahrelanger Traum in Erfüllung gegangen.
Schon einiges "Plainsgame", Oryx, Kudu, Springbock, Zebra – alle in größerer Anzahl – und auch drei der "Small-Five" konnte ich erlegen. Selten aber hat mich das Jagdfieber so geschüttelt wie bei dieser Jagd. Die Jagd wäre auch für weniger sportliche Menschen zu leisten gewesen und ist sicher in ihren körperlichen Anstrengungen nicht mit einer Bergzebrajagd oder dem Jagen auf Rothische in Schottland vergleichbar. Dennoch war es ein einzigartiges Jagderlebnis mit einer ehrlichen Pirsch.




