Kleiner Büffel

Streifengnujagd in Namibia

Namibia ist immer noch eines der Top-Jagdländer in Afrika. Vor allem Kudu und Warzenschwein locken immer wieder Gäste unter das Kreuz des Südens. Doch auch viele andere Arten lassen sich bejagen. Begleiten Sie unseren Autoren auf seiner Pirsch auf der Jagd- und Gästefarm Albrechtshöhe in der Erongoregion.
Bruchübergabe.jpg © Rauhbein/FischerGrößer "Nicht bewegen", flüstert der Berufsjäger (PH). Wir stehen Aug in Aug mit einer kleinen Gnuherde etwa 80 m vor uns. Der Wind ist gut, und die Streifengnus, sechs Kühe und Kälber, scheinen die Situation nicht deuten zu können. Am Morgen hatten wir schon einmal versucht, eine kleine Herde anzugehen. Aber es war uns nicht gelungen. Im dichten Busch zogen die Gnus hin und her, bis eine Oryx uns bemerkte und alles Wild mitnahm. Hier sollte ein guter Bulle bei der Herde stehen, den der Jagdführer, Umpies Meyer, von einem Bergrücken aus ausgemacht haben wollte.
Ich sah allerdings nur Kühe, die in unsere Richtung sicherten und langsam unruhig wurden. Die letzen noch im Sand liegenden Stücke erhoben sich – kein Bulle. Die Waffe lag auf dem Dreibeinzielstock längst im Voranschlag. Der Berufsjäger und ich verharrten zur Salzsäule erstarrt. Hier kamen wir nicht mehr weg, ohne dass auch die Gnus erneut auf und davon wären.

Unruhe im Harem


Plötzlich zieht ein weiteres Stück von rechts, wo es wohl unter einem Baum gelegen hatte, zu der Gruppe der etwa zwölf Tiere – ein Bulle, deutlich erkenne ich den Pinsel. "Das soll der gute Bulle sein?", denke ich. Na ja, die Gnuerfahrung habe ich nicht, aber ich bin nun schon das 9. Mal in Namibia und habe reichlich auf andere Wildarten waidwerken können. Der ist es nicht!

Langsam merke ich, wie ungewohntes Jagdfieber in mir aufsteigt; dachte ich doch, das hätte ich lange verloren. Ich muss mich zur Beherrschung zwingen. Jetzt höre ich das Schnauben der Gnus, und mein Herz hämmert tiefe, dunkle Bässe. Wie lange werden sie unseren Anblick noch ertragen? Die Unruhe kommt auch aus der Herde selbst, ein Tier steckt das andere an. Ihren nahen Feind haben die Gnus immer noch nicht erkannt. Dann plötzlich kommtein weiterer Grund für die Unrast der Tiere in Anblick. Aus der gleichen Richtung wie zuvor der junge Bulle trabt ein starker Gnubulle heran. Er läuft ein paar Schritt zu den Kühen, dreht sich um die eigene Achse und sichert spitz von vorne. Der Berufsjäger flüstert: "Schieß ihm auf den Stich." Ich suche mit dem Zielstachel den Haltepunkt, da dreht sich der Bulle etwas mehr in die halbspitze Position. Nun versuche ich, das Blatt ins Visier zu nehmen. Der Bulle schaut zurück zu den Kühen und verhindert so mit seinem massigen Haupt und seinen geschwungenen Hörnern einen sicheren Schuss. "Nicht schießen", flüstert der Jagdführer. Doch dann dreht der Bulle erneut sein Haupt uns zu, in diesem Moment lasse ich fliegen. Wie von der Tarantel gestochen brechen 14 Stück Wild durch den Busch. Die Bildfläche ist leer.

"Waidmannsheil", sagt Umpies. "Den haben wir noch nicht" erwidere ich. "Das war ein guter Schuss", ist sich der erfahrene Berufsjäger sicher.
Später erzählt mir meine Partnerin, die in einiger Entfernung mit dem schwarzen Begleiter des PH auf dem Wagen wartete, dass auch dieser sofort anhand des Kugelschlages gesagte hätte: "Gute Patrone, der hat gut getroffen."
Am Anschuss fanden wir etwas Lungenschweiß, der Rest war unter den 4 x 14 Hufen der Tiere im Staub verwirbelt. Logisch, dass es auch kein klares Fährtenbild gab. Also zurück zum Wagen und die Hunde geholt. Die Terrier, eine Art Foxterrier, wurden am Anschuss angesetzt und suchten in einer Freiverlorensuche nach.

Nach gut 100 Metern fanden die Hunde das längst verendete Gnu unter einem Dornbusch. Die 8 x 68S saß etwas hinter dem Blatt und hatte das Gnu diagonal durchschlagen. Das 12,7-g-Blaser-CDP-Geschoss steckte vor der Keule unter der Decke. Im namibianischen Sand lag von einer sauberen Kugel gestreckt ein guter Gnubulle. Sicher war er nicht der älteste, das Horn jedoch gut geschwungen, der Helm bereits stark abgeschliffen und die Auslage ordentlich. Für mich war ein jahrelanger Traum in Erfüllung gegangen.

Schon einiges "Plainsgame", Oryx, Kudu, Springbock, Zebra – alle in größerer Anzahl – und auch drei der "Small-Five" konnte ich erlegen. Selten aber hat mich das Jagdfieber so geschüttelt wie bei dieser Jagd. Die Jagd wäre auch für weniger sportliche Menschen zu leisten gewesen und ist sicher in ihren körperlichen Anstrengungen nicht mit einer Bergzebrajagd oder dem Jagen auf Rothische in Schottland vergleichbar. Dennoch war es ein einzigartiges Jagderlebnis mit einer ehrlichen Pirsch.

Warzenkeiler

Patrnerin_Wrzenkeiler.jpg © Rauhbein/FischerGrößer Nach einer vorzüglichen Bewirtung mit gebratenem Gnu, passend zum Erlegungsziel, beschlossen wir, noch auf ein Warzenschein unser Glück zu wagen. Wir pirschten zu einem künstlich bewässerten Luzernefeld, das vielleicht mit unseren Wildäckern vergleichbar ist. Tatsächlich bekamen wir einige Stücke in Anblick. Die Entfernung war weit, sehr weit. Wir glasten die Fläche ab. "In der Gruppe rechts ist ein Keiler," sagte der PH, "der könnte passen." Ich nahm ihn durch das Zielfernrohr aufs Korn. "Willst Du etwa von hier schießen?" – "Ja!" – "Wollen wir nicht noch näher heran?" – "Nein!"

Von einer Steinkante hatte ich über das festmontierte Harris-Zweibein eine gute Position. Diese wollte ich nicht aufgeben. Die Schweine zogen hin und her. Dann stand der Keiler fast breit, doch ein Frischling war in der Schussbahn. Die Zeit verstrich, anders als am Vormittag bei der Bejagung des Gnus hatte ich zur gewohnten Ruhe zurückgefunden. Vertrauend auf die 8 x 68S wartete ich geduldig auf meine Chance. Dann im ganz leichten Ziehen von links nach rechts war sie da. Auf den Schuss sprang der Keiler fast einen Meter in die Luft, rannte los und schien zu torkeln, berappelte sich aber und verschwand in einer Senke. Wieder die Hunde geholt, die auch hier eine gute Arbeit leisteten und uns durch Standlaut bald zum Keiler brachten. Da lag für manche wohl eines der hässlichsten Tiere Afrikas, für mich ein faszinierendes Wild.

Die Trophäe war absolut gleichmäßig, da nicht abgebrochen. Im Vergleich zu den Warzenschweinen, die mir sonst begegnet waren, fiel der Umfang der Haderer mit 11,5 cm besonders auf.

Epilog

Die Zeit auf der Jagd- und Gästefarm Albrechtshöhe war eine erholsame Etappe für uns. Auf Anhieb haben der PH Umpies Meyer und ich uns gut verstanden.
Die Jagdführung war hervorragend, und herzlich möchte ich mich für das entgegengebrachte Vertrauenbedanken. Da ich auch schon Jäger geführt habe, weiß ich, dass es für einen Berufsjäger sicher nicht immer einfach ist.

Es war ein wirklich entspannendes und doch spannendes Jagen.
Die Bewirtung durch die Farmersfrau Ingrid ist erstklassig, die Unterbringung mit hauseigenem Swimmingpool und komfortablen Appartements ebenso. Das alte Kommandanturgebäude aus der deutschen und englischen Kolonialzeit ist schon ein Erlebnis für sich.

Das Streifengnu – Connochaetes taurinus

Schulterhöhe: 130 bis 140 cm;
Gewicht: Bullen: 230 bis 270 kg, Kühe: 160 bis 200 kg; Lebenserwartung: 18 Jahre;
Tragzeit: 8 Monate, meist nur ein Kalb, selten zwei; Lautäußerungen: Warnschnauben, Brüllen;
Habitat: Offenes Buschland mit viel Gras und Wasser; Gewohnheiten: Grasäser, gesellige Tiere, die in Herden leben, schließen sich gern mit Steppenzebras zusammen, tagaktiv, sehr neugierig, äsen während der kühlen Tageszeiten und ruhen in der Mittagshitze, alte Bullen oft territoriale Einzelgänger;
Feinde: Löwe, Leopard, Tüpfelhyäne, Gepard, afrikanischer Wildhund, Krokodil.

Ihre Gastgeber

Albrechtshöhe.jpg © Rauhbein/FischerGrößer Paul-Heinz und Ingrid Meyer leben bereits in der 3. Generation mit ihren drei Söhnen Rigo (lebt mittlerweile in Österreich), Wanjo und Janko in Namibia.
Umpies – so wird Paul-Heinz liebevoll im ganzen Land genannt – ist seit 1981 staatlich geprüfter Berufsjäger in Namibia. Doch schon seit 1975 ist Umpies als Jäger unterwegs, zunächst im elterlichen Jagdbetrieb Otjanadue, wo er bereits Jäger führte. 1992 eröffnete er zusammen mit seiner Frau Ingrid die eigene Jagdfarm Albrechtshöhe – Safari West. Albrechtshöhe – Safari West beherbergt eine Fülle von Wildarten, wie sie nur selten in Namibia vorkommt. Ganz nach ihrem individuellen
Trophäenwunsch wählt Umpies aus, wo auf den eigenen Farmen – Albrechtshöhe und Ondonganjie – die sich auf mehr als 10.000 ha erstrecken, gejagt wird. Darüber hinaus besitzt Umpies das Jagdrecht auf mehr als 200.000 ha Jagdfläche.
Trophäenjagd ist in Namibia vom 1. Februar bis 30. November möglich. Die beste Zeit bietet sich von Mai bis August. Robuste Geländefahrzeuge bringen Sie sicher zu den Jagdrevieren.
Dabei wechselt die Vegetation von offener Steppe bis hin zu dichtem Busch, Bergland oder trockenen Flussbetten.
Gejagt wird je nach Trophäenwunsch teilweise zu Fuß, vom Jeep oder dem Ansitz – ganz nach Ihrer körperlichen Verfassung und Wünschen. Auf der Jagd begleiten Sie neben Berufsjägern auch erfahrene Tracker/Skinner sowie ausgezeichnete Jagdhunde, sodass angeschweißtes Wild zur Strecke kommt. Alle Trophäen werden direkt vor Ort auf Albrechtshöhe vorpräpariert. Kontakt: Albrechtshöhe – Safari West,
Inhaber: Paul-Heinz & Ingrid Meyer, P.O-Box 124, Karibib, Namibia, Tel.: 00264/62-50 33 63,
E-Mail: meyer@iafrica.com.na,
Internet: www.safariwest.de
07.05.2010 08:56

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